Abrotanum, die Eberraute, ist in der Materia medica das Mittel der fortschreitenden Abmagerung bei erhaltenem oder sogar gesteigertem Appetit. Typisch beschrieben wird das mager werdende Kind mit altem, faltigem Gesichtsausdruck, schlaffer Haut und dünnen Gliedern, das viel isst und dennoch abnimmt. Ein zweiter Schwerpunkt ist das Wandern der Beschwerden: rheumatische Schmerzen, die sich verlagern, verschwinden und an anderer Stelle wieder erscheinen.
Konstitution
Gemütsbild
Reizbarkeit und mürrische Verstimmung, besonders bei mageren KindernMissmut ohne fassbaren AnlassÄngstlichkeit bei gleichzeitiger Härte gegenüber anderenErschöpfung und Widerwillen gegen geistige Anstrengung
Die vorliegenden Rubriken enthalten keine ausgeprägten Gemütszeichen; das Bild wird von der körperlichen Auszehrung bestimmt. Die klassische Materia medica beschreibt Kinder, die trotz guten Appetits abmagern und dabei verdrießlich, ungeduldig und leicht reizbar werden. Genannt wird eine eigentümliche Verbindung von Ängstlichkeit und Härte: Das Kind ist besorgt um sich selbst und zugleich unfreundlich, mitunter grausam gegenüber Geschwistern oder Tieren. Hinzu kommen Niedergeschlagenheit und Unlust zu jeder geistigen Arbeit. Ein ausgearbeitetes chronisches Gemütsbild abseits dieser Beobachtungen liegt in der Literatur nicht vor.
Ängste: Ängstlichkeit ohne bestimmbaren Gegenstand, oft mit Unruhe verbunden, Besorgnis um den eigenen körperlichen Zustand
Leitsymptome
- Kalte, feuchte Luft
- Unterdrückung von Absonderungen oder Ausschlägen
- Nachts, besonders die Magenschmerzen
- Beim Erwachen (Zittern, lahmes Gefühl im Rücken)
- Bewegung im Freien
- Wiederauftreten unterdrückter Absonderungen
- Wärme
Verlangen und Abneigungen
- Heißhunger auf reichliche Mahlzeiten, ohne dass das Körpergewicht zunimmt
- Saures wird in der Materia medica genannt
- Fleisch, in der klassischen Literatur erwähnt
- Im Übrigen in den vorliegenden Rubriken nicht ausgewiesen
In Repertorien häufig zugeordnet
In der Materia medica klassisch zugeordnet zu fortschreitender Abmagerung bei erhaltenem Appetit, besonders bei KindernIn Repertorien im höchsten Grad bei metastasierenden und wandernden Krankheitszuständen aufgeführtBei rheumatischen Beschwerden, die den Ort wechseln und auf Herz oder Brust übergehen, verzeichnetKlassisch genannt bei Hodenschwellung im Gefolge von MumpsBei Wechsel von Verstopfung und Durchfall mit nächtlichen Magenschmerzen beschriebenBei Schwäche und Lähmungsgefühl der Beine mit Abmagerung aufgeführt
Abgrenzung
Natrium muriaticum teilt die Abmagerung bei gutem Appetit, dort jedoch mit dem Schwerpunkt am Hals, mit Salzverlangen und dem bekannten verschlossenen Gemütsbild. Iodum zeigt ebenfalls Heißhunger mit Gewichtsverlust, ist aber ausgesprochen warmblütig und getrieben unruhig, während Abrotanum frostig ist. Sanicula und Silicea stehen bei mageren Kindern mit Verdauungsschwäche, ohne das Wandern der Beschwerden zu betonen. Für Abrotanum spricht die Abfolge: unterdrückte Absonderung oder Durchfall, danach rheumatische Schmerzen, die auf Herz oder Brust ziehen.
Verwandte Mittel
Bryonia albaChina officinalisLedum palustreNatrium muriaticumIodumKalium carbonicum
Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.
Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.