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Materia medica · Nr. 3

Abrotanum

Abrot.

In 868 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Abrotanum, die Eberraute, ist in der Materia medica das Mittel der fortschreitenden Abmagerung bei erhaltenem oder sogar gesteigertem Appetit. Typisch beschrieben wird das mager werdende Kind mit altem, faltigem Gesichtsausdruck, schlaffer Haut und dünnen Gliedern, das viel isst und dennoch abnimmt. Ein zweiter Schwerpunkt ist das Wandern der Beschwerden: rheumatische Schmerzen, die sich verlagern, verschwinden und an anderer Stelle wieder erscheinen.

Konstitution

KörperbauAusgeprägt mager, mit schlaffer, welker Haut, besonders an den Oberschenkeln und im Gesicht. Die Abmagerung schreitet von unten nach oben fort; die Beine magern zuerst ab, während der Rumpf zunächst erhalten bleibt.
Thermalitätfrostig
TemperamentDie Literatur beschreibt eine reizbare, mürrische bis boshafte Verfassung, besonders bei Kindern. Beschrieben wird eine Ängstlichkeit mit gleichzeitiger Grausamkeit gegenüber anderen. In den Rubriken tritt das Gemüt nicht in den Vordergrund; das Bild wird von der körperlichen Auszehrung getragen.

Gemütsbild

Reizbarkeit und mürrische Verstimmung, besonders bei mageren KindernMissmut ohne fassbaren AnlassÄngstlichkeit bei gleichzeitiger Härte gegenüber anderenErschöpfung und Widerwillen gegen geistige Anstrengung

Die vorliegenden Rubriken enthalten keine ausgeprägten Gemütszeichen; das Bild wird von der körperlichen Auszehrung bestimmt. Die klassische Materia medica beschreibt Kinder, die trotz guten Appetits abmagern und dabei verdrießlich, ungeduldig und leicht reizbar werden. Genannt wird eine eigentümliche Verbindung von Ängstlichkeit und Härte: Das Kind ist besorgt um sich selbst und zugleich unfreundlich, mitunter grausam gegenüber Geschwistern oder Tieren. Hinzu kommen Niedergeschlagenheit und Unlust zu jeder geistigen Arbeit. Ein ausgearbeitetes chronisches Gemütsbild abseits dieser Beobachtungen liegt in der Literatur nicht vor.

Ängste: Ängstlichkeit ohne bestimmbaren Gegenstand, oft mit Unruhe verbunden, Besorgnis um den eigenen körperlichen Zustand

Leitsymptome

Fortschreitende Abmagerung bei Heißhunger — der Kranke isst reichlich und nimmt dennoch ab
Abmagerung gelähmter Beine und Unterschenkel; Lähmungsgefühl in Armen und Beinen, halbseitige Schwäche der Beine
In den Repertorien im höchsten Grad bei Metastasierung und beim Wandern von Krankheitszuständen von einem Ort zum anderen aufgeführt
Rheumatische Brustschmerzen und rheumatischer Schmerz in der Herzgegend; Entzündung der Herzinnenhaut
Alt aussehendes Gesicht mit welken Zügen, Mitesser
Nächtliche, schneidende Magenschmerzen
Verstopfung im Wechsel mit Durchfall
Lahmes Gefühl im Rücken beim Erwachen; Zittern beim Erwachen
Hodenschwellung im Anschluss an Mumps
Verschlechterung
  • Kalte, feuchte Luft
  • Unterdrückung von Absonderungen oder Ausschlägen
  • Nachts, besonders die Magenschmerzen
  • Beim Erwachen (Zittern, lahmes Gefühl im Rücken)
Verbesserung
  • Bewegung im Freien
  • Wiederauftreten unterdrückter Absonderungen
  • Wärme

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • Heißhunger auf reichliche Mahlzeiten, ohne dass das Körpergewicht zunimmt
  • Saures wird in der Materia medica genannt
Abneigung
  • Fleisch, in der klassischen Literatur erwähnt
  • Im Übrigen in den vorliegenden Rubriken nicht ausgewiesen

In Repertorien häufig zugeordnet

In der Materia medica klassisch zugeordnet zu fortschreitender Abmagerung bei erhaltenem Appetit, besonders bei KindernIn Repertorien im höchsten Grad bei metastasierenden und wandernden Krankheitszuständen aufgeführtBei rheumatischen Beschwerden, die den Ort wechseln und auf Herz oder Brust übergehen, verzeichnetKlassisch genannt bei Hodenschwellung im Gefolge von MumpsBei Wechsel von Verstopfung und Durchfall mit nächtlichen Magenschmerzen beschriebenBei Schwäche und Lähmungsgefühl der Beine mit Abmagerung aufgeführt

Abgrenzung

Natrium muriaticum teilt die Abmagerung bei gutem Appetit, dort jedoch mit dem Schwerpunkt am Hals, mit Salzverlangen und dem bekannten verschlossenen Gemütsbild. Iodum zeigt ebenfalls Heißhunger mit Gewichtsverlust, ist aber ausgesprochen warmblütig und getrieben unruhig, während Abrotanum frostig ist. Sanicula und Silicea stehen bei mageren Kindern mit Verdauungsschwäche, ohne das Wandern der Beschwerden zu betonen. Für Abrotanum spricht die Abfolge: unterdrückte Absonderung oder Durchfall, danach rheumatische Schmerzen, die auf Herz oder Brust ziehen.

Verwandte Mittel

Bryonia albaChina officinalisLedum palustreNatrium muriaticumIodumKalium carbonicum

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.