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Materia medica · Nr. 457

Alcoholus

Alco.

In 12 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Alcoholus ist die homöopathische Zubereitung des Weingeists. Sein überliefertes Bild ist fast ausschließlich ein Gemütsbild und folgt dem, was die Rauschwirkung und der Entzug hervorbringen: Wahnvorstellungen von Verfolgung durch Mörder und Räuber, das Gefühl, auf einem Schiff im Sturm zu sein, dazu Größen- und Reichtumsvorstellungen, unerklärliche Furcht und Unaufrichtigkeit. Darunter liegt ein tiefer Mangel an Zutrauen zu sich selbst.

Konstitution

KörperbauEin eigener Konstitutionstyp ist nicht überliefert; das Mittel wird über den Gemütszustand und nicht über eine Körperform bestimmt.
Thermalitätwechselnd
TemperamentKennzeichnend ist der Wechsel zwischen aufgeblähter Selbstdarstellung und einem darunter liegenden Mangel an Selbstvertrauen. Nach außen werden Reichtum und Bedeutung vorgestellt, innerlich herrscht Bedrängnis und unerklärliche Furcht. Die Wahrhaftigkeit leidet; die Rubriken verzeichnen ausdrücklich das Unaufrichtige.

Gemütsbild

Mangel an Selbstvertrauen als GrundzugWahnvorstellungen, verfolgt zu werden, von Mördern oder RäubernVorstellung, auf einem Schiff im Sturm zu seinVorstellungen von Reichtum und BedeutungUnerklärliche Furcht ohne fassbaren AnlassUnaufrichtigkeit, Abweichen von der Wahrheit

Das Gemütsbild ist der eigentliche Kern dieses Mittels und trägt die Handschrift des Rauschzustands. Im Vordergrund stehen Trugvorstellungen der Bedrohung: Der Betreffende sieht sich verfolgt, meint, Mörder oder Räuber seien hinter ihm her, und gerät in Angst, für die sich kein Grund benennen lässt. Daneben stehen Vorstellungen des Schwankens und der Ausgeliefertheit, ausgedrückt in dem eigentümlichen Bild, sich auf einem Schiff im Sturm zu befinden. Als Gegenstück treten Größen- und Reichtumsvorstellungen auf, die den Mangel an Selbstvertrauen zudecken. Die Unaufrichtigkeit gehört zu diesem Wechsel: Es wird beschönigt und verschoben, um das eigene Bild aufrechtzuerhalten. Die Materia medica beschreibt dazu Zittern, Schlaflosigkeit und die Unfähigkeit, den Zustand nüchtern zu betrachten.

Ängste: Unerklärliche Furcht ohne benennbaren Anlass, Angst, verfolgt zu werden, von Mördern oder Räubern, Angst vor dem Ausgeliefertsein, im Bild des Sturms auf See

Leitsymptome

In den Repertorien bei Klappenerkrankungen des Herzens aufgeführt - die einzige verzeichnete körperliche Zuordnung
Zittern und innere Unruhe, wie sie die Literatur zum Bild des Weingeists beschreibt
Schlaflosigkeit mit erschreckenden Trugbildern in der Nacht
Wechsel von Erregung und Erschöpfung
Sinnestäuschungen, die als wirklich erlebt werden
Die körperliche Seite des Mittels ist im Repertorium nur schwach ausgebaut
Verschlechterung
  • Nachts, wenn Trugbilder und Furcht zunehmen
  • Alleinsein, das die Bedrohungsvorstellungen verstärkt
Verbesserung
  • Ruhige, vertraute Umgebung und Anwesenheit anderer
  • Weitere Besserungen sind in den Rubriken nicht ausgewiesen

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • Verlangen nach geistigen Getränken, entsprechend der Herkunft des Mittels
  • Weitere Speiseverlangen sind in den Rubriken nicht ausgewiesen
Abneigung
  • In den vorliegenden Rubriken nicht ausgewiesen
  • In der Literatur nicht näher beschrieben

In Repertorien häufig zugeordnet

In Repertorien bei Wahnvorstellungen der Verfolgung durch Mörder oder Räuber aufgeführtBei Reichtums- und Größenvorstellungen genanntBei unerklärlicher Furcht verzeichnetBei Mangel an Selbstvertrauen aufgeführtBei Unaufrichtigkeit als Gemütszeichen genanntIn den klinischen Rubriken bei Klappenerkrankungen des Herzens aufgeführt

Abgrenzung

Nux vomica ist das große Mittel für die Folgen ausschweifender Lebensweise, dort mit Reizbarkeit, Überempfindlichkeit und krampfartigen Beschwerden. Stramonium teilt die schreckhaften Trugbilder und die Furcht vor Verfolgung, jedoch mit heftigerer Erregung, Lichtscheu und Furcht vor Dunkelheit. Lachesis zeigt die Redseligkeit und das Misstrauen, mit Verschlimmerung nach dem Schlaf. Hyoscyamus steht bei Eifersuchtswahn und schamloser Enthemmung. Für Alcoholus spricht die Verbindung von Verfolgungs- und Reichtumsvorstellungen mit dem darunter liegenden Mangel an Selbstvertrauen.

Verwandte Mittel

Nux vomicaStramoniumLachesisHyoscyamusOpiumAgaricus muscarius

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.