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Materia medica · Nr. 524

Amyl nitrite

Aml-n.

In 628 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Amylium nitrosum ist das Mittel der plötzlichen Blutwallung. Beschrieben wird ein Mensch, dem urplötzlich das Blut in Kopf und Gesicht schießt: Das Gesicht wird glühend rot, der Scheitel pocht, das Herz klopft, danach bricht reichlicher Schweiß aus und die Blässe kehrt zurück. Kennzeichnend sind ein zusammenschnürendes Gefühl an Hals und Brust, die Unverträglichkeit enger Kleidung und das ausgeprägte Verlangen nach freier Luft.

Konstitution

KörperbauEin eigener Körperbau ist nicht beschrieben. Auffällig ist das Wechselspiel der Gesichtsfarbe zwischen glühender Röte und Blässe.
Thermalitätwarmblütig
TemperamentDie Rubriken weisen in mehreren Kapiteln die Verschlimmerung durch Gemütsbewegungen in höchstem Grad aus. Beschrieben wird ein Mensch, bei dem jede Erregung, jede Aufregung und jeder Schreck sofort in eine körperliche Wallung umschlägt.

Gemütsbild

Jede Gemütsbewegung schlägt unmittelbar in eine körperliche Wallung umAngst mit Herzklopfen und BeklemmungUnruhe und Drang nach freier LuftFurcht während der Hitzewallung, mit ErstickungsgefühlErschöpfung nach dem Anfall

Die Datenbank verzeichnet Angst in hohem Grad, dazu in mehreren Kapiteln die Verschlimmerung durch Gemütsbewegungen. Damit ist der Kern des Mittels beschrieben: Nicht ein bestimmter Gedankeninhalt steht im Vordergrund, sondern die unmittelbare körperliche Antwort auf jede seelische Regung. Aufregung, Ärger, Schreck oder auch freudige Erregung lassen sofort das Blut zum Kopf schießen, das Gesicht wird heiß und rot, das Herz klopft, der Kranke reißt den Kragen auf und drängt ins Freie. Die klassische Materia medica beschreibt dazu eine ängstliche Beklemmung, als schnüre etwas die Brust zusammen. Nach dem Anfall folgt reichlicher Schweiß und tiefe Erschöpfung. Zwischen den Anfällen kann der Zustand unauffällig sein.

Ängste: Angst mit Herzklopfen und Beklemmung während der Wallung, Erstickungsangst bei zusammengeschnürter Brust, Furcht vor dem Wiederkehren der Anfälle

Leitsymptome

Plötzliche Wallungen und Aufsteigen des Blutes zu Kopf und Gesicht, in höchstem Grad ausgewiesen; glühende Röte des Gesichts im Wechsel mit Blässe
Umschriebene Hitze einzelner Körperteile, häufig einseitig oder nur an der oberen Körperhälfte
Pochender Schmerz am Scheitel; Gefühl, der Kopf wolle zerspringen oder werde zusammengepresst
Zusammenschnürendes Gefühl der äußeren Teile an Hals, Brust und Herzgegend, in höchstem Grad verzeichnet; Unverträglichkeit enger Kleidung am Hals
Reichlicher, leicht ausbrechender Schweiß, besonders nach der Wallung; Herzklopfen und Beklemmung in der Brustgegend mit Besserung durch Aufstoßen
Zittern der Hände und Schwäche der Arme; Gefühl erfrorener Glieder bei gleichzeitiger Hitze; Gefühl der Vergrößerung und Geschwollenheit einzelner Körperteile
Verschlechterung
  • Gemütsbewegungen jeder Art, in höchstem Grad verzeichnet
  • Enge Kleidung, besonders am Hals
  • Warme, geschlossene Räume
  • Anstrengung
  • Im Wechsel der Lebensalter, wenn Wallungen auftreten
Verbesserung
  • Freie Luft, in hohem Grad als Besserung ausgewiesen
  • Aufstoßen, was die Brustbeschwerden betrifft
  • Öffnen der Kleidung
  • Kühlung

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • Verlangen nach frischer, kühler Luft
  • Weitere Angaben liegen in der Literatur nicht vor
Abneigung
  • Abneigung gegen warme, enge Räume
  • Weitere Angaben sind in der Literatur nicht näher beschrieben

In Repertorien häufig zugeordnet

In Repertorien bei plötzlichen Hitzewallungen mit Blutandrang zum Kopf aufgeführtKlassisch zugeordnet zu Wallungen im Wechsel der LebensalterBei zusammenschnürendem Gefühl in der Herzgegend verzeichnetBei pochendem Scheitelkopfschmerz genanntBei Beschwerden nach Gemütsbewegungen aufgeführtIn der Literatur bei reichlichem Schweißausbruch nach der Wallung beschrieben

Abgrenzung

Glonoinum steht dem Mittel am nächsten und zeigt ebenfalls den heftigen Blutandrang zum Kopf mit pochendem Schmerz, dort jedoch mit ausgeprägter Verschlimmerung durch Sonnenhitze und dem Gefühl, der Kopf sei zu groß. Lachesis teilt die Wallungen und die Unverträglichkeit enger Kleidung am Hals, hat aber die Verschlimmerung nach dem Schlaf und die linksseitige Betonung. Sepia zeigt die Wallungen mit Schweiß bei gleichzeitiger Erschöpfung und Kälte. Für Amylium nitrosum spricht die unmittelbare Auslösung durch Gemütsbewegung, das Zusammenschnüren an Hals und Brust und die deutliche Besserung an frischer Luft.

Verwandte Mittel

GlonoinumLachesisSepiaBelladonnaSanguinaria canadensisCactus grandiflorus

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.