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Materia medica · Nr. 585

Anthemis nobilis

Anth.

In 122 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Anthemis nobilis, die Römische Kamille, ist ein kleines, nur schmal geprüftes Mittel aus der Verwandtschaft der Korbblütler. Das Repertorium zeigt einen Zusammenzug im Herz- und Brustbereich, allgemeines Kältegefühl mit kalten Händen und Füßen sowie Hitzewallungen vom Magen aus. Auffällig ist ein eng umrissenes Angstbild: Furcht vor herannahenden Fahrzeugen und davor, überfahren zu werden, mit Scheu, vor die Tür zu gehen.

Konstitution

KörperbauEin eigenständiges Konstitutionsbild ist für Anthemis nicht überliefert. Die vorliegenden Angaben deuten auf nervös empfindliche Menschen mit schlechter peripherer Durchblutung - kalte Hände, Füße und Beine stehen mehrfach im Repertorium.
Thermalitätfrostig
TemperamentNervös angespannt und schreckhaft, mit einer Neigung, sich in die Wohnung zurückzuziehen. Bemerkenswert ist, dass daneben ein Verlangen nach geistiger Arbeit verzeichnet ist: der Kopf bleibt tätig, während der Mut nach außen fehlt. Die Gedanken schweifen dabei leicht ab.

Gemütsbild

Furcht vor herannahenden FahrzeugenFurcht, beim Ausgehen überfahren zu werdenAbneigung, aus dem Haus zu gehenSchweifende, nicht festzuhaltende GedankenVerlangen nach geistiger BeschäftigungBesserung der Beschwerden durch Weinen

Das Gemütsbild ist schmal, aber ungewöhnlich scharf umrissen. Im Mittelpunkt steht eine Straßenangst besonderer Prägung: die Furcht vor Fahrzeugen, die sich nähern, und die Vorstellung, überfahren zu werden. Daraus erwächst die Abneigung, überhaupt vor die Tür zu treten. Anders als bei einer allgemeinen Menschenscheu bleibt das Denken rege - das Repertorium verzeichnet ausdrücklich das Verlangen nach geistiger Arbeit, wenngleich die Gedanken abschweifen. Als Eigentümlichkeit ist genannt, dass Beschwerden sich durch Weinen bessern; der Ausdruck der Gefühle entlastet. Für weitergehende seelische Zuschreibungen fehlt in der Literatur die Grundlage.

Ängste: Angst vor sich nähernden Fahrzeugen und vor dem Überfahrenwerden, Angst beim Verlassen des Hauses

Leitsymptome

Zusammenschnürung in der Brust und in der Herzgegend - die am häufigsten und höchsten bewertete Angabe
Allgemeines Kältegefühl mit kalten Händen, Füßen und Beinen; Kälte beim Ausziehen der Kleidung
Hitzewallungen, die vom Magen ausgehen
Nächtlicher, schmerzhafter Harndrang, ausdrücklich gegen zwei Uhr; Brennen in der Harnröhre beim Wasserlassen
Ziehender, drückender Schmerz in den Samensträngen, vom Blasenhals dorthin ausstrahlend
Schluckbeschwerden bei Flüssigkeiten; Schwellung der Ohrspeicheldrüsen; Neigung zu Furunkeln
Verschlechterung
  • Nachmittags; nachts, besonders gegen zwei Uhr
  • Entkleiden und Kälteeinwirkung; Gedanke ans Ausgehen
Verbesserung
  • Weinen
  • Frische Luft bessert den Husten; Wärme und Ruhe

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • In der Literatur nicht näher beschrieben
Abneigung
  • Keine charakteristische Speiseabneigung überliefert
  • Abneigung, das Haus zu verlassen

In Repertorien häufig zugeordnet

Beklemmung und Zusammenschnürung in der HerzgegendNächtlicher Harndrang mit Brennen beim WasserlassenSchmerzen in den SamensträngenKolik und LeberstauungÄngste beim Verlassen des Hauses, in Repertorien unter Straßenfurcht geführtFrostigkeit mit kalten Gliedmaßen

Abgrenzung

Die weit bekanntere Chamomilla (Matricaria recutita) teilt den Namen und die Pflanzenfamilie, nicht aber das Bild: dort steht unerträgliche Schmerzempfindlichkeit mit Zorn im Vordergrund, hier Zusammenschnürung und Angst vor der Straße. Für die Straßenfurcht ist Aconitum das große Mittel mit Todesangst und plötzlichem Beginn, Argentum nitricum jenes mit Enge in Räumen und Menschenmengen und ausgeprägter Erwartungsspannung. Bei Zusammenschnürung des Herzens ist Cactus grandiflorus die ungleich besser geprüfte Alternative.

Verwandte Mittel

ChamomillaAconitum napellusArgentum nitricumCactus grandiflorusPulsatilla

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.