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Materia medica · Nr. 111

Colchicum autumnale

Colch.

In 6.836 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Colchicum autumnale, die Herbstzeitlose, ist ein Liliengewächs und in der klassischen Materia medica vor allem als Gicht- und Verdauungsmittel bekannt. Die Repertorien führen es in hohem Grad bei gichtigen und rheumatischen Gelenkschmerzen, bei aufgetriebenem, blähungsvollem Bauch und bei einer außergewöhnlichen Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen von Speisen. Kennzeichnend ist die Verbindung von größter Schwäche mit heftiger Reizbarkeit der Sinne.

Konstitution

KörperbauEin einheitlicher Habitus wird in der Literatur nicht beschrieben; das Mittel wird sowohl bei kräftigen Menschen mit gichtiger Anlage als auch bei erschöpften, entkräfteten Patienten genannt.
Thermalitätfrostig
TemperamentBeschrieben wird ein Zustand von großer Hinfälligkeit bei gleichzeitiger Überempfindlichkeit: Jeder äußere Eindruck – Geruch, Licht, Berührung – wird als unerträglich empfunden. Die Repertorien führen Gedächtnisschwäche und Vergesslichkeit im höchsten Grad.

Gemütsbild

extreme Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen und SinneseindrückenGedächtnisschwäche und VergesslichkeitErschöpfung mit innerem WiderwillenReizbarkeit bei größter körperlicher Schwäche

Das auffälligste Gemütszeichen von Colchicum ist die Überempfindlichkeit: Der bloße Geruch, ja schon der Anblick oder der Gedanke an Speisen kann Übelkeit auslösen; besonders genannt werden Fisch und Eier. Die Repertorien führen diese Rubriken im höchsten Grad. Daneben stehen Gedächtnisschwäche und Vergesslichkeit, eine geistige Trägheit, die mit der körperlichen Erschöpfung einhergeht. Die klassische Literatur beschreibt außerdem eine mürrische, leicht erregbare Stimmung, in der äußere Eindrücke ärgern und Schmerzen unerträglich scheinen. Insgesamt ergibt sich das Bild eines Menschen, der zu schwach ist, um die Reize seiner Umgebung zu verarbeiten.

Ängste: Angst und Unruhe während der heftigen Schmerzattacken, Furcht vor dem Anblick und Geruch von Nahrung, Beklemmung mit dem Gefühl, den Zustand nicht zu überstehen

Leitsymptome

Übelkeit durch Anblick, Geruch oder bloßen Gedanken an Speisen, besonders Fisch und Eier – ein Kennzeichen des Mittels (Grad 3)
Gichtige und rheumatische Gelenkschmerzen mit Schwellung, bei Bewegung und nassem Wetter schlimmer
Stark aufgetriebener Bauch mit eingeklemmten Blähungen und dumpfem Wehtun, nach Stuhlgang gebessert
Wassersucht innerlich und äußerlich, Ergüsse in Körperhöhlen (Grad 3)
Herbstliche Durchfälle mit blutigem, schleimigem Stuhl und schmerzhaftem Stuhldrang
Größte Schwäche mit kaum fühlbarem Puls und kalten Gliedern
Ameisenlaufen und lähmige Schmerzen in den Gliedern
Verschlechterung
  • Anblick und Geruch von Speisen
  • Bewegung und Gehen
  • Berührung
  • nasskaltes Wetter, Herbst
  • abends und nachts
  • Naseschneuzen
Verbesserung
  • Sitzen und Ruhe
  • nach dem Stuhlgang
  • Bücken (bei Bauchbeschwerden)
  • Wärme und warmes Zudecken

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • In der Literatur werden wechselnde Wünsche genannt, die beim Anblick der Speise sofort wieder erlöschen
  • zeitweise Verlangen nach Dingen, die zuvor abgelehnt wurden
Abneigung
  • Speisen allgemein, besonders bei deren Geruch (Grad 3)
  • Fisch
  • Eier
  • Fleischbrühe und Fett, wie die klassische Literatur ergänzt
  • Durstlosigkeit trotz trockener Haut

In Repertorien häufig zugeordnet

gichtige Gelenkbeschwerden, besonders an Zehen, Händen und Knienrheumatische Schmerzen bei nasskaltem WetterBlähungskoliken und aufgetriebener BauchÜbelkeit und Erbrechen mit Nahrungsekel, auch in der Schwangerschaft in Repertorien geführtherbstliche Durchfälle mit TenesmusWasseransammlungen und Ergüsse, klassisch zugeordnet

Abgrenzung

Bryonia teilt die Verschlechterung durch jede Bewegung, hat aber großen Durst auf große Mengen und trockene Schleimhäute, wo Colchicum durstlos und geruchsempfindlich ist. Arsenicum album zeigt ebenfalls Schwäche mit Übelkeit, dabei jedoch brennende Schmerzen, Ruhelosigkeit und Besserung durch Wärme und kleine Schlucke. Veratrum album hat den Kollaps mit kaltem Schweiß und heftigem Erbrechen ohne die für Colchicum kennzeichnende Überempfindlichkeit gegen Speisengerüche.

Verwandte Mittel

Bryonia albaArsenicum albumVeratrum albumArnica montanaCarbo vegetabilisNux vomica

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.