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Materia medica · Nr. 245

Picricum acidum

Pic-ac.

In 1.648 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Picricum acidum, die Pikrinsäure, ist in der Materia medica das Mittel der geistigen Erschöpfung: Nach längerer Kopfarbeit versagen Denken und Kraft, es bleibt ein bleiernes Schweregefühl in Kopf, Rücken und Beinen. Die Repertorien führen es im höchsten Grad bei Nervenschwäche, bei Schwäche nach geringster Anstrengung und bei Kopfschmerz durch geistige Anstrengung auf. Auffällig ist die Verbindung dieser Erschöpfung mit einer gesteigerten geschlechtlichen Erregbarkeit.

Konstitution

KörperbauEin bestimmter Körperbau wird nicht hervorgehoben; beschrieben werden häufig Menschen in geistig fordernden Berufen, Studierende und Prüfungskandidaten.
Thermalitätwarmblütig
TemperamentDie Rubriken heben Trägheit und Schwerfälligkeit sowie Nervenschwäche im höchsten Grad hervor. Beschrieben wird ein Mensch, der jede Anforderung als zu viel empfindet, sich vor dem Denken scheut und dem schon der Gedanke an eine Aufgabe Widerwillen bereitet. Dazu treten Mangel an Selbstvertrauen und Unschlüssigkeit.

Gemütsbild

Geistige Erschöpfung nach Kopfarbeit, Widerwille gegen jede DenkanstrengungTrägheit und Schwerfälligkeit des DenkensAngst, die sich bei Anstrengung verschlimmertMangel an Selbstvertrauen und UnschlüssigkeitGesteigerte geschlechtliche Erregbarkeit trotz Erschöpfung

Das Gemütsbild ist bei Picricum acidum eng mit der Erschöpfung verwoben. Die Repertorien führen Nervenschwäche, Trägheit und Schwerfälligkeit im höchsten Grad auf. Beschrieben wird ein Zustand, in dem der Kranke nach anhaltender geistiger Arbeit keinen zusammenhängenden Gedanken mehr fassen kann; schon der Vorsatz, etwas zu lesen oder zu rechnen, löst Widerwillen und Kopfschmerz aus. Die Angst nimmt bei jeder Anstrengung zu, Selbstvertrauen und Entschlusskraft fehlen. Kennzeichnend und in den Rubriken deutlich ausgewiesen ist der Gegensatz zwischen dieser Erschöpfung und einer stark gesteigerten geschlechtlichen Erregbarkeit mit anhaltenden, störenden Erektionen und lüsternen Gedanken. Die klassische Literatur beschreibt das Bild häufig bei Studierenden und Menschen nach längerer Überforderung des Kopfes.

Ängste: Angst, die durch körperliche oder geistige Anstrengung zunimmt, Angst, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein, Nach dem Stuhlgang im Bauch empfundene Angst

Leitsymptome

Bleierne Schwere in Kopf, Rücken und Beinen; die Glieder wirken wie mit Gewichten beschwert
Kopfschmerz im Hinterkopf, der in den Nacken zieht, durch geistige Anstrengung ausgelöst und durch Druck von außen gebessert
Brennendes Schweregefühl und Schwäche in der Lendenwirbelsäule, Schmerzen, die entlang der Wirbelsäule abwärts ziehen
Schwäche der Beine mit Unsicherheit beim Gehen, Wanken, Pelzigsein der Unterschenkel
Gelber, wässriger Durchfall, der durch geistige Anstrengung ausgelöst wird und stark erschöpft; Blähungen nach dem Stuhlgang
Anhaltende, heftige, störende Erektionen, besonders nachts, mit gesteigertem Geschlechtstrieb
Verschlechterung
  • Durch geistige Anstrengung, Lesen, Rechnen, Studieren
  • Durch körperliche Anstrengung und Gehen
  • Nach dem Stuhlgang
  • Nach Gefühlserregung
  • Durch Wärme, Sommerhitze
Verbesserung
  • Durch Liegen und Ruhe
  • Durch kalte Anwendungen und Baden
  • Durch Druck von außen auf den Kopf
  • Durch Aufstoßen, bezogen auf die Magenbeschwerden

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • In den vorliegenden Rubriken nicht ausgewiesen
Abneigung
  • Verminderter Appetit mit Widerwillen gegen Speisen
  • Abneigung gegen geistige Beschäftigung, die auch das Essverhalten mitbestimmt

In Repertorien häufig zugeordnet

In Repertorien bei Erschöpfung und Nervenschwäche nach geistiger Überarbeitung aufgeführtKlassisch zugeordnet zu Kopfschmerz im Hinterkopf durch geistige AnstrengungBei Schweregefühl und Schwäche der Beine sowie Unsicherheit beim Gehen verzeichnetBei brennenden Schmerzen und Schwäche der Lendenwirbelsäule genanntBei gelbem, wässrigem Durchfall nach Anstrengung aufgeführtIn der Literatur bei gesteigerter geschlechtlicher Erregbarkeit mit gleichzeitiger Erschöpfung beschrieben

Abgrenzung

Von Phosphoricum acidum, dem nächstverwandten Erschöpfungsmittel, unterscheidet Picricum acidum die stärkere Schwere und Steifheit der Glieder sowie die gesteigerte geschlechtliche Erregbarkeit; Phosphoricum acidum folgt meist auf Kummer und zeigt Gleichgültigkeit. Gelsemium teilt die Schwere und Schwäche, ist aber deutlicher an Erwartungsangst und Zittern gebunden. Silicea zeigt ebenfalls Erschöpfung nach geistiger Arbeit, verbunden mit Frostigkeit und Mangel an Durchsetzungskraft. Für Picricum acidum spricht der ausdrückliche Zusammenhang zwischen Kopfarbeit und dem Zusammenbrechen der Kraft.

Verwandte Mittel

Phosphoricum acidumGelsemiumSiliceaPhosphorusOxalicum acidumKalium phosphoricum

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.